Es war ein perfekter Einstand, trotz aller Schmerzen am Ende. Im Ziel legte sich Sebastian Kienle vom nach all den Strapazen des Tages erst einmal hin, später stützte er sich bei seiner Freundin ab. Nicht einmal für eine Ehrenrunde reichte am Ende die Kraft. Alles tat weh, aber das Wissen, kurz zuvor als schnellster Rookie über die Ironman-Distanz in die Triathlon-Annalen eingegangen zu sein, überwiegte. Und da war es auch nicht weiter schlimm, dass mit dem Dänen Rasmus Henning ein anderer den Sieg davontrug.

Als Sebastian die Ziellinie überquerte stand auf der Uhr 7:59:06 h. Das ist für sich schon eine Fabelzeit über die Ironman-Distanz. Diese Zeit allerdings schon beim allerersten Start zu erreichen, das hatte vor ihm noch keiner vor ihm geschafft, weder in Deutschland noch sonst irgendwo auf der Welt. Und so bewies es sich einmal mehr, dass Roth der richtige Platz ist, um Triathlon-Geschichte zu schreiben.

Bereits beim Schwimmen im Rhein-Main-Donau-Kanal zeigte sich, dass es für Sebastian nach einem erfolgreichen Tag aussah. Mit knapp 5 min Abstand zum Führenden kam er nach nur 52 min auf die Radstrecke, sogar noch vor Norman Stadler.

Die Taktik für das folgende Radfahren sah vor, möglichst mit Norman Stadler zusammenzuarbeiten, in der Wechselzone sah sich Kienle kurz nach ihm um und wenige Momente später darauf machen die sie das Tempo auf der Radstrecke und holten den Rückstand auf den Führenden relativ schnell auf. Am Solarer Berg, wo der 1. Sebastian Kienle Fanclub mächtig Stimmung machte, waren nur noch drei Athleten vor ihnen, der Rückstand nur noch gering. Nach etwa der Hälfte der Radstrecke war es dann dabei, die zwei stärksten Radfahrer waren vorne. Und ab km 120 führte Sebastian dann alleine, Norman Stadler stieg aus. Sebastian machte weiter Druck und schaffte sogar hier schon eine Ausnahmeleistung: Er stellte den elf Jahre alten Streckenrekord von Jürgen Zäck ein. Für die 180 km lange Fahrt durch Franken benötigte er exakt 4:14:07 h, neun Sekunden weniger als Zäck.

Als der Zweite, der Däne Rasmus Henning die zweite Wechselzone verließ, war Sebastian bereits seit etwa vier Minuten unterwegs. Er wirkte locker, lief die ersten zwölf Kilometer mit einer Zeit von etwas über 3:30 Minuten. Er konnte sogar den Vorsprung ausbauen, alles sah nach einem Sieg für ihn aus, und selbst die hochgerechnete Endzeit ließ bereits erahnen, dass sich an diesem Tag eine Sensation anbahnte. Im ersten Viertel des Marathons wurde die errechnete Endzeit mit 7:42 Stunden angegeben, dies wären ca. acht Minuten unter der aktuellen Weltbestzeitgewesen.

Im vergangenen Jahr und auch beim City-Triathlon Heilbronn hat Sebastian immer wieder bewiesen, dass er nicht mehr wie früher ein „Radfahrer mit Hobbies Schwimmen und Laufen“ ist, sondern ein Rennen auch auf der Laufstrecke gewinnen kann. Und so konnte er zu Anfang den Vorsprung auf Rasmus Henning, immerhin als guter Läufer bekannt, auf der eintönigen Strecke entlang des Kanals sogar noch ausbauen. Es war für ihn aber der erste Marathon, eben doch das Doppelte seiner bisherigen Strecken, und so gelang es dem Dänen ab dem Halbmarathon den Rückstand sukzessive zu verkürzen.

Nach ca. 30 Kilometern hatte er ihn eingeholt und übernahm die Führung, da halfen auch Sebastians Unterstützer entlang der Laufstrecke, seine Freundin, die Familie, Freunde und der Fanclub waren an unterschiedlichen Stellen der Laufrunde postiert, nicht mehr. Für Kienle kam kurz darauf der „Mann mit dem Hammer“, und die letzten Kilometer wurde er langsamer. Von hinten hatte er keine Gefahr mehr zu befürchten, da auch der Dritte, Eneko Llanos aus Spanien, weiter verlor, Sebastian lief immerhin noch um 4:20 min auf den Kilometer. Und immer noch stand eine Zeit von unter acht Stunden im Raum.

Es sollte reichen, sowohl der Vorsprung vor Eneko Llanos als auch die Endzeit unter acht Stunden. Und wäre dies noch nicht genug, gewann Kienle auch noch die Deutsche Meisterschaft über die Langdistanz, die 2010 letztmalig in Roth ausgetragen wurde.

Und als wären die Leistungen der Herren nicht schon unglaublich, bewies auch Chrissie Wellington mal wieder, dass sie zu Leistungen fähig ist, die vor kurzem noch niemand einer Frau zugetraut hatten. Im vergangen Jahr stellte sie bereit mit 8:31 h die bisherigen Weltrekorde der Frauen in den Schatten, dieses Jahr verbesserte sie ihren eigenen Rekord. Aber nicht nur ein bischen, um ganze 12 min! Mit der Endzeit von 8:19:13 h waren selbst nur sechs Männer schneller als sie.

Selbst die nächste Frau, Rebekah Keat aus Australien, blieb mit ihrer Zeit von 8:52:10 h immer noch unter der magischen Grenze bei den Frauen von 9 h, nach den bisherigen Gesetzen im Triathlon wäre dies ein sicherer Sieg gewesen. Auch die Zeit der Dritten Teresa Mazel aus der Tschechischen Republik hätte in den meisten anderen Rennen zu Platz 1 gerecht. Aber ein Rennen mit Chrissie Welligton gehorcht keinen Gesetzen und ist unvergleichlich. Insbesondere im legendären Roth.

 

 

 

 

 
 

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